Professor Dr. Thomas Attin, Direktor der Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der Universität Zürich, im Interview mit proDente über Möglichkeiten und Grenzen des Bleaching.
Welche Methoden und Substanzen werden zum Zahnbleaching eingesetzt?
Zur Aufhellung von Zähnen werden sauerstoff-abspaltende Substanzen,
in der Regel Wasserstoff-Peroxid oder ein Stoff ähnlicher Struktur
eingesetzt. Auch Natrium-Perborat, das zum Beispiel in Waschmitteln
enthalten ist, kann als reaktive Substanz verwendet werden. Bei der
Spaltung dieser Substanzen entsteht aktiver Sauerstoff, der weitere
chemische Reaktionen auslöst. Das Peroxid kann in Gelen, Pasten oder
auch Pulver-Flüssigkeits-Darreichungen vorliegen.
Herr Professor Dr. Attin, wie funktioniert eigentlich das Zahnbleaching, das heißt welche chemischen Prozesse laufen dabei ab?
Der oben genannte aktive Sauerstoff kann in sog. Redoxreaktionen mit
Farbstoffen reagieren und je nach Reaktionspartner eine Oxidation oder
Reduktion eines farbigen Elementes verursachen. Dadurch kann sich aus
einer farbigen Substanz eine farblose oder andersfarbige Substanz
entwickeln. Eine andere Möglichkeit besteht in der Spaltung langkettiger
Farbmoleküle zu farblosen oder andersfarbigen Stoffen. Dabei kann es
auch zum Einbau von Sauerstoffgruppen in das Molekül kommen, wodurch
ebenfalls die Farbigkeit beeinflusst werden kann.
Schaden bzw. verändern die üblichen Bleaching-Methoden die Zahnhartsubstanz?
Es gibt sehr viele Untersuchungen zu der Fragestellung, ob
Bleichverfahren die Zahnhartsubstanz schädigen können. In einigen
Studien wurden zwar Veränderungen beobachtet. Diese waren jedoch oft nur
stark vergrößert unter dem Mikroskop sichtbar. Die Mehrzahl der
Laborstudien und klinische Untersuchungen haben keine oder nur
unwesentliche Einflüsse von gängigen Aufhellungsverfahren auf die
Zahnhartsubstanzen gezeigt.
Wie lange hält das Bleaching in der Regel vor und worin unterscheiden sich die verschiedenen Methoden?
Die Beständigkeit der erzielten Aufhellung hängt vom gewählten
Verfahren ab. Bei Verfahren an wurzelkanalbehandelten Zähnen, die mit
der sog. „walking-bleach-Technik“ von Innen her aufgehellt wurden, gibt
es Untersuchungen, die eine Farbbeständigkeit über viele Jahre (bis zu
15 Jahren) dokumentieren. Die vom Patienten unter Kontrolle eines
Zahnarztes vorgenommene Aufhellung vitaler Zähne durch extern auf die
Zähne aufgetragene Substanzen weist eine Farbbeständigkeit von
mindestens 6 Monaten bis zu, je nach Studie, 7 Jahren auf. Die Anwendung
von Licht oder Hitze zur Beschleunigung der Aufhellung konnte bisher
nicht die Bleichwirkung bzw. Farbbeständigkeit verbessern.
Um wieviele Nuancen können und sollten die Zähne maximal aufgehellt werden?
In der Regel können Zähne um mindestens zwei Farbnuancen aufgehellt
werden auf einer Skala von 16 Farbtönen. Es ist aber durchaus auch
möglich, Farbveränderungen von teilweise mehr als fünf Farbstufen zu
erzielen.
Woran orientiert sich die Zahnfarbe, das heißt was wirkt noch natürlich?
Welche Zahnfarbe natürlich wirkt, wird von jeder Person
unterschiedlich empfunden. Als unnatürlich wirkt sicherlich, wenn die
Zähne zu leuchtend weiss sind und zu uniform wirken. Die Zähne eines
Patienten haben in der Regel zueinander durchaus kleine Unterschiede in
der Farbe, wodurch die Natürlichkeit betont wird. Wenn sich die
Zahnfarbe nicht mehr von der Farbe der schneeweissen Badezimmerkachel
unterscheidet, ist sicherlich zu viel gebleicht worden.
QUELLE Initiative proDente e. V.